Fu Kar We: F R a U is for me (and Tatouage) G
Frau G.
Sonntag, 13. Februar 2005
Alles neu macht der Februar
Das neue Gesicht von Frau G.´s Blog ist zwar mehr unfreiwillig entstanden, aber manchmal sind diese ungewollten, nicht umkehrbaren Veränderungen gar nicht so übel.

Das trifft auch auf einige Dinge im Offline-Leben zu. Etwas verändert sich, läuft in eine unerwartete Richtung und zack entsteht eine Art Zugzwang aus Aktionen und Reaktionen.

Als ich ein ganz kleines Mädchen war, wollte ich Lehrerin werden.
ich glaube, weil ich es schön fand mit einem roten Stift zwischen blauer Tinte herum zu kritzeln.

Ich schrieb in meiner Schule in der Waschküche, in der meine Puppen, Steifftiere und ich die zweite Klasse meiner Parallelwelt besuchten, Diktate und Aufsätze, in die ich extra Fehler einbaute, damit ich sie danach in meiner Rolle als Lehrerin korrigieren konnte.

Einmal schlug ich meinen Stoffhund, weil er keine Hausaufgaben gemacht hatte. Das war kurz nachdem mich meine eigene Lehrerin ohrfeigte, weil ich sie angelogen hatte, bezüglich einer noch schnell in der Pause erledigten Hausaufgabe.

Ich fühlte mich nach der Massregelung meines Hundeschülers allerdings so schlecht, dass sich der Berufswunsch Lehrerin und auch die Waschküchenschule von da an in Luft auflösten.

Später, als Gymnasiastin, wollte ich Rechtsanwältin werden. Am besten gleich Staatsanwältin. Ich sah mich flammende Plädoyers der Gerechtigkeit führen. Die Bösewichter dieser Welt zu langjährigen Strafen verknacken.

Bis ich im Zuge des SoWi-Unterrichtes feststellte, dass unser Rechtssystem nicht unbedingt auf der Basis der Gerechtigkeit erstellt wurde, sprich Recht nicht gleich Gerichtigkeit bedeutete. Und das schlechte Gewissen gegenüber denen, die unsere Gesetze alles andere als schützen, drückte mich schon Jahre vor einem potentiellen Studium.

Später dann wollte ich eine berühmte Journalistin werden. Skandale aufdecken, Meinung machen, Preise einheimsen.

Dieser Traum dauerte am längsten.
Ich tat eine Menge um ihn zu verwirklichen.
Ich studierte das Richtige, ich machte die richtigen Praktika Hospitanzen und Jobs. Mit Larifaripillepalle gab ich mich gar nicht erst ab.

Ich versuchte sogar die Ellenbogen zu ignorieren, die mir in die Seiten droschen. Den unerbittlichen Konkurrenzkampf und die Boshaftigkeiten. Die Tatsache, dass nicht unbedingt die an Schlüsselpositionen sassen, die gut waren, sondern die, die gut nachtreten und draufhauen konnten. Deren Gewissen auf Erbsengrösse geschrumpft war.

Ich schaute weg und begann schlecht zu schlafen. Manchmal schlief ich tagelang gar nicht mehr.
Ich verlor die Fähigkeit mich fortzubewegen. Es ging nicht mehr voran. Leider aber auch nicht mehr zurück. Ich stand da, starr, unfähig mich zu lösen, aufzugeben, umzuschwenken.

Schliesslich kam ich dann doch noch los, bewegte mich immerhin zur Seite und versuchte zumindest den Rand des Traums festzuhalten. Die Angst zu versagen war schlimmer, als das versagen selbst.
Ich hatte Arbeit, ich schrieb, aber ich schrieb nicht das was ich schreiben wollte. Doch mir graute vor dem was ich tun müsste, um wieder auf den anderen Weg zu kommen. Was es mich kosten würde, etwas wahr zu machen, was augenscheinlich so zerstörerisch auf mich wirkte.

Schliesslich nahm mir mein Körper die Entscheidung ab und ich wurde krank. So krank, dass ich fast den Löffel abgab.

Und da liess ich endlich los.
Ich wollte nur noch eins werden: gesund. Und ich begann aktiv etwas dafür zu tun. Mehr, als ich mich je für eine andere Sache engagiert hatte.

Und nun ist es fast geschafft. Ich bin wieder gesund genug, um neue Träume wachsen zu lassen. Und ich habe erkannt, dass ich an die alten nicht mehr anschliessen kann und -noch wichtiger - auch nicht mehr anschliessen will.

So werde ich im Alter von 33 Jahren noch einmal ganz von vorne anfangen.

Das erste Mal im Leben habe ich mir einen Fünf-Jahres-Plan erstellt, in dem genau festgelegt ist, welcher Schritt dem nächsten folgen wird.

Ich weiss, dass ich mein ganzes Leben lang schreiben werde, weil es mir liegt und weil ich es liebe. Aber ob ich es je (wieder) für Geld tun werde, das steht in den Sternen. Im Fünf-Jahres-Plan ist es jedenfalls nicht vorgesehen.

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Freitag, 4. Februar 2005
Wer schön sein will...
muss nicht nur leiden, sondern vor allem viel Zeit mitbringen.
Gestern sass ich knapp vier Stunden beim Frisör und das war sehr, sehr anstrengend.

Irgendwie war mir nicht so nach Gala lesen oder über andere Kundinnen lästern und wenn man das beides ausschliesst, vergeht die Zeit quälend langsam.

Aber ich hatte es ja so gewollt, verschieden farbige Strähnen ins langes Haar zu bugsieren das dauert nunmal. Für meine Friseurin war´s sicher auch kein reines Vergnügen. 100 Seiten Jeffrey Deaver Krimi und einen HSV Spieler später war die ewig lange Einwirkzeit des Färbemittels aber dann doch zuende und ich kam in den Genuss einer Haarkur mit intensiver Kopfmassage.

Eine kleine, zarte Blondine in Sportklamotten befahl in strengem Ton "So, und jetzt entspannen!" Also entspannte ich mich pflichtgemäss, immerhin kostete mich allein diese Aktion sieben Euraten, die sollen ja nicht aus dem Fenster geworfenes Geld sein.

Der Service war wie immer grossartig, schon beim warten auf den Termin kann man sich theoretisch mit allem möglichen Zeug herzhaft einen hinter die Binde giessen und vom Kaffee Latte bis zur heissen Milch mit Honig, einer Tasse Suppe oder einem Stück Pizza zur Stärkung kann man alles bekommen was das hungrige oder durstige Herz begehrt.

Man muss halt nur zur richtigen Zeit dort aufschlagen, dann wenn Michi und Co auch Hunger haben und den Pizzaboten antanzen lassen. Und mit kleinen Portionen gibt sich der Michi nicht ab, der ordert grundsätzlich Wagenräder. Ist dann erstmal was da, dann darf jeder zugreifen. Gratis und umsonst.

Der Laden heisst also nicht umsonst "Cut For Friends". Man hat tasächlich immer das Gefühl man sässe in Michis etwas verkommener, verwinkelter Bude, die er mit Freunden renoviert und ausgestattet hat und irgendeine Bekannte vom Michi schneidet einem halt mal schnell die Haare, während Michi mit einer Kippe im Mund philosophiert, Machom-Mist absondert und unmotiviert herumfegt.

Als ich zum ersten Mal dort hin ging, war das eigentlich nur, weil der Laden bei mir um die Ecke lag und ich davon ausging, dass ich mit einem Frisör in dieser Gegend nichts falsch machen konnte, man mir also keinen Omma-Look andrehen würde.

Nach dem ersten Besuch war ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden und bekam dann von allen möglichen Mitmenschen aufgenötigt, dass Cut For Friends DER Trendfrisör wäre, und dort DIE Trendklamotten hergestellt würden.

Achwas? Scheinbar hab ich´s nicht so mit Trends. Bis vor einiger Zeit wusste ich auch nicht dass es Taschen mit dem Emblem "Mandarina Duck" gibt, ich kannte bislang nur Daisy Duck, was vielleicht daran liegt, dass ich mir eine Sache nur nach der Optik und nicht nach dem Aufdruck aussuche.

Das kann aber auch nach hinten losgehen, als ich mich z.b. ahnungslos in ein Paar Turnschuhe verliebte und feststellte, dass es sich um sogenannte Puma Speedcats handelte, die schweineteuer sind, weil die Jeder haben will.

Wenn man sich jedenfalls den Michi ansieht, wie er so durch den Laden schlappt, dann kann man sich gar nicht vorstellen, dass der der Erfinder irgendeines wie auch immer gearteten Trend-Kultes sein könnte,.

Höchstens, dass er nicht gerne Geschirr abspült und es sich deshalb in seiner Küche stapelt.

Wie auch immer, ich habe diesen kleinen, verwinkelten, schmuddeligen Frisörladen und seine "Bewohner" so sehr in mein Herz geschlossen, wie ich es kaum je vermutet hätte. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich hinterher exakt so aussehe, wie ich es mir vorgestellt habe bevor ich den Laden betrat und die Frauen unter den LeserInnen werden mich verstehen, wenn ich das so besonders betone. Es handelt sich dabei nämlich keinewegs um eine Selbstverständlichkeit.

Und nun bin ich wieder mal sehr zufrieden und nein, es gibt davon keine Beweis-Fotos, ich bin ja nicht die Bild-Zeitung.

Trust in me.

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Donnerstag, 3. Februar 2005
Zweitausendfümpf
Eine fümpf im Jahr, das kann nur Glück bedeuten. Ich liebe die fümpf. An einem Fümpften wurde ich geboren. Und neunzehnhundertfümpfundsiebzig musste ich noch lange nicht zur Schule. Neunzehnhundertfümpfundachzig wurde meine älteste Schwester Mutter und gab es so zeitweise auf mich erziehen zu wollen. Fümpfundneunzig erfüllte ich mir endlich den Traum eine Zeit lang in Paris zu leben. Es war der Hit und unvergesslich.

Und Zweitausendfümpf?
Ich denke auch dieses Jahr wird ganz im Zeichen der spannenden Umbrüche und positiv-aufregenden Erlebisse stehen. Ich kann es spüren es tut sich was.

Und nein, ich bin nicht schwanger, um schon mal den Fragen derer zuvor zu kommen, die scheinbar meinen, dass ich jedesmal wenn ich von zukünftigen Neuerungen schwadroniere, eigentlich vom Windeln wechseln schreiben würde. Und wollte das nur irgendwie kryptisch verpacken. Wie es aussieht erwartet man das von Frauen meines Alters.

Aufgrund meiner schonungslosen Offenheit ist aber davon auszugehen, dass ich schreiben würde "ich bekomme ein Kind", wäre ich schwanger. Noch wahrscheinlicher wäre es aber, dass ich gar nichts darüber schreiben würde, weder kryptisch verpackt noch sonstwie.

Aber zurück zur Fümpf.
Diese Fümpf wird eine besondere sein. Denn es ist meine erste richtig erwachsene Fümpf. ich werde einen neuen Weg einschlagen und alte Zöpfe werden fallen. Alte Träume, die ins Leere liefen und nur noch vertrocknete Hüllen sind, lösen sich zu Staub auf. Sie düngen den Boden für die neuen Traumpflänzchen, die gerade erst als kleine Spitzen aus dem Boden gucken und von denen ich noch nicht so recht weiss, wie gross sie als Pflanzen so sein werden, die ich aber entschlossen bin mit ausreichend Licht und Luft und Wasser zu versorgen.

Diese Chance werde ich mir geben.

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Letzte Aktualisierung: 2013.07.29, 16:19