Fu Kar We: F R a U is for me (and Tatouage) G
Frau G.
Montag, 2. Januar 2012
Politisch korrektes Deutsch
O.k.... man hat ja meist ein gewisses Selbstbild von sich. Meins ist was Mitbürger mit Migrationshintergrund angeht das einer fremdenfreundlichen Frau G., die am liebsten beim Türken ihr Gemüse einkauft und kein Problem mit der bekopftuchten Verkäuferin bei H&M hat, die im Gegenteil die multikulturelle Vielfalt ihrer Stadt sehr zu schätzen weiß.

Heute wurde diese Grundeinstellung jedoch ein wenig auf die Probe gestellt.

Ich fand mich beim Arbeitsamt ein, um mich dort zu melden, nach diesem und jenem zu erkundigen, mit rudimentären Vorstellungen über den Ablauf, da ich dort bisher nur ein einziges Mal vor Jahren war.

Ich stand um 8 vor der Tür, alles ging ruckzuck und ich war angenehm überrascht.

Zumindest solange, bis mich ein ungefähr 15 jähriger (!) Mitarbeiter aufrief, um ihm an seinen Platz zu folgen. Er war sehr freundlich, aber leider war das auch schon alles.
Er wusste nichts mit meinen Fragen anzufangen, Gründungszuschuss keine Ahnung, dass man auch selbstständig nebenberuflich tätig sein kann war ihm ganz neu und was zum Teufel ist eine Heilpraktikerin?

Dem Namensschildchen nach war er türkischer Abstammung oder vielmehr seine Eltern, seine Ausdrucksweise gewöhnungsbedürftig bis unverständlich und die deutsche Grammatik war nicht sein Freund.

Nachdem ich meine Angaben 3 mal wiederholt hatte, er immer noch nicht wusste welches Formular er mir nun ausdrucken muss und er schließlich eine Kollegin hinzugezogen hatte, war er ziemlich hinüber.

Mit letzter Kraft reichte er mir einen Stapel Papiere.
"Ich erkläre Sie das jetzt mal", sagte er. "Das is schwierig mit die Papiere, wenn Sie noch Fragen haben müssen Sie am besten die Hotline anrufen, die gehen den Fragen dann nochmal mit Sie durch und helfen Sie."

Ich habe wohl etwas erstaunt geguckt, was er als Unverständnis interpretierte und anmerkte: "Also den zweiten Bogen ist nich wegen den Geld oder so, dass is für den Sachbearbeiter wegen den Vermittlungsgespräch, also nich wegen den Geld. Für den Geld ist den ersten Bogen."

Ja. So war das.
Und nun frage ich mich die ganze Zeit was ich davon jetzt halten soll und vor allem welche Einstellungskriterien das Arbeitsamt wohl hat. Welchen Schulabachluss mag dieser Junge haben? Und wen zum Teufel soll der beraten. Und vor allem: wie?

Bin ich gerade eben fassunglos und das nich nur wegen den Geld, sondern vor allen wegen den Klischee den hier erfüllt wird.

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Letzte Aktualisierung: 2013.07.29, 14:19