Fu Kar We: F R a U is for me (and Tatouage) G
Frau G.
Montag, 17. März 2008
Seitenwechsel
Et kütt wie et kütt,, sagt der Rheinländer gerne und meint damit unausweichliche Schicksalsschläge, denen man sowieso nicht entgehen kann.

Was jedoch tatsächlich Schicksal ist oder einfach nur die Blödheit eines Einzelnen, darüber gibt es geteilte Meinungen, besonders beim Rheinländer, wie mir erst letzte Woche bewusst wurde.

Unser Garten liegt mittig, rechts daneben residierten bislang die Flodders, links ein Ehepaar im besten Kleingarten-Frührentneralter, sie Hanseatin, er Rheinländer und rotgesichtiger Sturkopp, dessen Lieblingsfrage "Wat?" lautet, zumindest wirft er diese Frage gerne und häufig innerhalb eines Gesprächs ein.

Bislang gab es zwischen Herrn Wat und uns wenig Berührungspunkte. Man grüsste sich und einmal im Jahr wurde die Wasserrechnung geteilt, denn aus unerfindlichen Gründen haben die Wats keinen eigenen Wasseranschluss, ihre Leitung zweigt unterirdisch von unserer ab und wir sind halt relativ gutmütig was solche seltsamen Arrangements angeht. Vielleicht fällt aber auch diese Gutmütigkeit eher in die Kategorie Blödheit, wer weiss...

Die Wats sind eigentlich ständig im Garten, übernachten dort auch oft und ihr Teich gleicht in seinen Ausmassen der Ostsee, während unserer mehr den Namen Tümpel verdient hätte und unsere Gartenbesuche sich auf einige Stunden meist am Wochenende beschränken.

Jeder Doofe kann demnach erahnen, dass aufgrund dieser Grundvoraussetzungen ein gewisses Ungleichgewicht herrscht, was den Wasserkonsum angeht.

Im letzten Jahr kam es erstmals zu einem unschönen Gespräch, als die Wats einen Gartensitter während ihrer Sommerferien beauftragten. Der liess aus welchen Gründen auch immer das Wasser eine Woche lang laufen, was nicht nur verschwenderisch war, sondern auch richtig teuer wurde. Erstaunt über die Höhe der Rechnung forschten wir nach und nur auf eine regelrecht inquisitorische Befragung hin, rückten die Wats mit der Info raus, dass diese speziellen Wasserspiele überhaupt stattgefunden hatten.

Daraufhin verkündeten wir nur den Verbrauch zu zahlen, den wir bisher jedes Jahr bezahlt hatten, den Rest mussten die Wats tragen. Frau Wat sah das auch ein, Herr Wat rief erstaunt: "Wat?" und war seitdem nicht mehr so gut auf uns zu sprechen. Gerechtigkeit hört wohl dort für ihn auf, wo sein Portemonaie anfängt.

Im Winter muss jeder Gartenmurkel im Schacht den Hauptwasserhahn abdrehen und dann im Haus selbst die Hähne aufdrehen. So vermeidet man Wasserrohrbrüche durch zugefrorene Leitungen.

Nun hat es ja im letzten Winter kaum geforen und der Frühling ist auch schon in vollem Gange. Zeit für die Wats in ihrem Teich zehn Trillionen Liter Wasser auszutauschen und es sich auf der Laubenterrasse gemütlich zu machen. Dementsprechend kletterte Herr Wat in den Schacht, dreht den Hauptwasserhahn auf und legte los.

Nun tritt die persönliche Blödheit auf den Plan.
Wenn ich einen Hauptwasserhahn aufdrehe und sich die Wasseruhr beginnt zu rühren, muss ich davon ausgehen, dass irgendwo Wasser austritt. Bei den Wats selbst war das ja überprüfbar.

Da dort alles zu gedreht war, hätte Herr Wat an und für sich darauf schliessen müssen, dass unsere Hähne offen waren.
Vielleicht hat er das auch, man weiss es nicht. Er liess den Hahn jedenfalls offen und bei uns lief zwei Tage lang volle Kanne Wasser durch den Orkus, bis die unterirdischen Drainagen den Mengen nicht mehr gewachsen waren, ein Rückstau eintrat und der gesamte Garten geflutet wurde.

Zum Glück gibt es ausser Schicksal und Blödheit noch eine dritte Grösse: die Neugier, in diesem falle die der Nachbarn.
Gurken-Dieter, ein Nachbar von umme Ecke, stapfte zufällig vorbei, sah den Stausee, kletterte beherzt in den Schacht, dreht den Hauptwasserhahn zu und gab uns Bescheid.

Schnell war klar, dass Herr Wat seine flinken Finger im Spiel gehabt hatte und Herr G. war fuchsteufelswild, denn weil zunächst ein Rohrbruch vermutet wurde, sah er sich schon das ganze Wochenende Ausschachtungsarbeiten vornehmen, die nicht gerade zu seinen Lieblingsbeschäftigungen zählen.

Dementsprechend geladen rief er Herrn Wat an.
Dieses Gespräch war recht kurios, denn Herr Wat spricht an sich nur kölsch und Herr G. ist des kölschen nicht so mächtig wie ich. Dieser Umstand gab dem Gespräch also eine sehr spezielle Note.

Herr G: Guten Tag Herr Wat.
Herr W: Tach.
Herr G: Sagen Sie mal Herr Wat, haben Sie das Wasser im Garten aufgedreht?
Herr W: Jo.
Herr G: Und wann?
Herr W: Mondach, es wat do damet?
Herr G: Bitte?
Herr W: Wat?
Herr G: Bei uns gab es wohl einen Rohrbruch.
Herr W: Jo un?
Herr G: Bitte?
Herr W: Dat es doch nit minne Schold.
Herr G: Naja, es ist aber schon Ihre Schuld, dass das Wasser zwei Tage lang gelaufen ist, Unser ganzes Haus hätte überflutet werden können.
Herr Wat: Wieso dat dann?
Herr G: Weil die Hähne offen gedreht waren.
Herr W: Wat? Wieso dat dann?
Herr G: Das muss man doch, das machen im Winter alle so.
Herr W: Isch nit. Dat is misch neu, isch mach datte nie so, wat soll dat dann? Un ausserdem ist dat ja nit minne Schold.
Herr G: Bitte?
Herr W: Wat?

Und so ging das Gespräch fröhlich weiter. Im Ergebnis wurde keine Einigung erzielt, Herr wat drohte mit dem Vereinsvorstand und kündete düster an: "Isch werd da mit däm Hochst drübber spresche, so jeht dat nit.!"

Und so trafen wir uns Samstag alle im Garten. Dä Hochst, dä Herr Wat, dä Herr G. und isch, ähm, ich.

Ausserdem wurde ein Klempner hinzugezogen, denn Herr G. hatte Herrn Wat vorgeschlagen sich nun besser eine eigene Leitung legen zu lassen, was Herr Wat mit einem erbosten: "Wat? Und wer soll da bezahle?" quittiert hatte.

Es stellten sich bei dieser Begehung mehrere Dinge heraus.

1. Zum Glück hatte es keinen Rohrbruch gegeben, nur eben diese Rückstau. Eine Ausschachtung war zunächst hinfällig.

2. Als wir ankamen hatten bereits alle möglichen Gartenmurkel rundherum Herrn Wat die Meinung gesagt. Unter anderem, er würde unsere Gutmütigkeit/Blödheit ausnutzen und das ginge so nicht weiter. Er solle sich gefälligst für sein angelegtes Wattenmeer eine eigene Leitung legen lassen.

Ausserdem sei er sehr wohl Schuld. Hähne müssten im Winter aufgedreht werden, soviel sei klar. Dass Herr wat das nicht wüsste, wäre ein Unding.

3. Natürlich muss Herr Wat seine neue Leitung selbst bezahlen.

Soweit so gut, blöd nur, dass die neue Leitung quer durch unseren Garten gegraben werden wird, aber wat mot dat mot.

Immerhin konnten wir danach den Tag nutzen im Garten zu pusseln, und die Nachfolger der Flodders in Augenschein zu nehmen.

Er ist Banker und hat Steuerrecht studiert, sie ist Buchhalterin mit dem Berufwunsch Heilpraktikerin.
Sie haben eine Eigentumswohnung bei uns um die Ecke und einen echt süssen 5jährigen Sohn.
Ich denke es hat sich auf dieser Gartenseite ausgefloddert.

Ich sags ja, die 2008 und dann auch noch ein Rattenjahr, das bringt Glück.

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Die Wattzahl des Herrn Wat scheint ja eher niedrig zu sein, oder? Aber joot...
Es kann ja nicht jeder leuchten wie Gold.

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LOOOOL! Härrlisch. Dat Leben schreibt doch einfach die besten Satiren.

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Letzte Aktualisierung: 2013.07.29, 14:19